i need no healing

Am ersten Tag im Mai ging ich auf die Straße. Ich hatte fast den ganzen Morgen aus dem Fenster gestarrt.
Ich hatte den Regen beobachtet, wie er gegen die Scheibe klatschte und ein brutaler Wind wehte hart und schnell. Ich hätte es als Warnung nehmen sollen.
Ich hatte meiner Krankenschwester das Wochenende frei gegeben. Meine Mahlzeiten waren schlecht zubereitet. Meine Schreibmaschine war stumm wie ein Grab und mein Klavier verkroch sich mit gefletschten Zähnen in der Ecke meines Zimmers.
Ich verließ mein Haus ohne meinen Mantel. Etwas, das meine Krankenschwester nicht erlaubt hätte. Und über Nebenstraßen verließ ich die Stadt und ich kam an einer Kuh vorbei und die Kuh war braun. Und mein Pyjama hing an mir herunter wie ein Leichentuch.
Plötzlich stand vor mir ein kleines Haus, mit allen Hoffnungen und Träumen darin verborgen. Die Stimme einer Frau, nahe meinem Ohr, sagte:“Warum kommst du nicht herein? Du bist ja bis auf die Haut durchnässt.“
Ich wandte mich der Frau zu und die Frau war jung. Ich grüßte sie ausgiebig und herzlich. Aber ich wusste, wenn meine Krankenschwester da gewesen wäre, hätte sie mir nicht in tausend Jahren erlaubt diese Einladung anzunehmen.
Nun könnte man darüber nachdenken alles zu riskieren, jede Warnung in den rücksichtslosen Wind schlagen, aber mit ihrem heißen Kakao und ihren Medikamenten war meine Krankenschwester mein einziges Seelenheil geworden. So ging ich zurück nach Haus.
Die Tränen rinnen mir wieder aus den Augen.
Ich brauche zwanzig große Eimer, um sie aufzufangen
und zwanzig hübsche Mädchen, um sie wegzutragen
und zwanzig tiefe Löcher, um sie zu begraben.

Über Martin P

Schon als kleines Kind habe ich bemerkt das mit der Welt etwas nicht in Ordnung ist. Hiermit nehme ich feierlich die Verantwortung dafür auf mich.
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